Junge Familien in der Defensive

Resolution der DBB-Frauenvertretung Hessen im Rahmen der Landeshauptversammlung am 09.03.2004 in Frankfurt:

Operation Sichere Zukunft gefährdet
Offensive für Kinderbetreuung!

Junge Familien in der Defensive!

“Kinder- und Familienfreundlichkeit werden zum Markenzeichen Hessens!”

So lautete die Kernaussage der Hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger im Vorwort der “Offensive für Kinderbetreuung” aus dem Jahr 2001. Mit dieser Offensive verkündete sie die Einleitung einer neuen Ära. Die Einrichtung von Tageseinrichtungen und sonstige differenzierte Angebote zur Betreuung von Kindern für ein gesundes und sozial integriertes Aufwachsen der Kinder seien laut ihrer damaligen Aussage unverzichtbar. Mit dieser Offensive sollten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu den zentralen Grundsätzen der Familienpolitik in Hessen verbessert, das Bewusstsein für Familien und deren Anliegen geschärft und herausgestellt werden, dass die Kinder die Zukunft unserer hessischen Gesellschaft seien.

Doch mit der “Operation Sichere Zukunft” erfolgte bereits der erste Schritt zurück. Im Rah-men der damaligen Kürzungen erfolgte eine Reduzierung der bereitgestellten Mittel um 1.000.000,- € (= 9,1 %). Gleichfalls wurde die “Förderung Kinderfreundlichkeit in Kommunen” zu 100 % gestrichen.

Unter Berücksichtigung der allgemeinen Kostensteigerungen werden mithin die notwendigen Maßnahmen vehement blockiert und behindert.

Im gleichen Zug erfolgte eine Arbeitszeitverlängerung der hessischen Beamtinnen und Be-amten auf 42 Stunden/Woche. Da im gleichen Maße auch die Arbeitszeiten der Teilzeitbe-schäftigten, dies sind insbesondere Frauen, gestiegen sind, erwachsen auch drastische Schwierigkeiten im Rahmen der notwendigen Kinderbetreuung während der Berufstätigkeit.

Verlängerte Arbeitszeiten erfordern längere Betreuungszeiten.

Längere Betreuungszeiten bedingen auch höhere Betreuungskosten!

Durch die massiven Kürzungen im Bereich der Betreuungsangebote erhöhen sich diese entstehenden Kosten zusätzlich.

In der Präambel der erwähnten Offensive wird angeführt, dass der Kinderwunsch bei den Lebensentwürfen junger Menschen einen herausragenden Platz einnehmen muss. Unter Einbeziehung der angeführten Problematik wird diese Zukunftsplanung der jungen Beamtinnen und Beamten erheblich erschwert bzw. nahezu verhindert. Planungssicherheiten in finanzieller wie auch beruflicher Sicht sind nicht mehr möglich.

Unfinanzierbare Betreuungsangebote durch die vorgenommen Kürzungen bei gleichzeitiger notwendiger Erhöhung der Betreuungszeiten

oder

Verkürzung der Arbeitszeiten bei gleichzeitiger Reduzierung des Familieneinkommens?

Vor dieser Entscheidung stehen die jungen Familien!

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gefährdet! Wo bleibt die Schärfung des Bewusst-seins für die Familie, wie in der “Offensive” angestrebt?

Junge Familien sind klar in der Defensive!

Die DBB-Frauenvertretung Hessen fordert von der Hessischen Landesregierung und den Abgeordneten des Hessischen Landtages:

- die sofortige Rücknahme der Kürzungen für „Offensive für Kinderbetreuung“ und „Förderung Kinderfreundlichkeit in Kommunen“

- die dringend notwendige Steigerung der finanziellen Zuschüsse für die Erweiterung der Betreuungsangebote für Kinder berufstätiger Eltern

- die Abkehr von der Arbeitszeitverlängerung.

Eine funktionsfähige Verwaltung setzt motivierte und sorgenfreie Beschäftigte voraus. Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes können ihre weitreichenden Aufgaben nur gewissenhaft und zur Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger wahrnehmen, wenn sie auch während ihrer Berufstätigkeit eine sichere Betreuung ihrer Kinder gewährleistet wissen.

Für die Frauenvertretung im DBB Hessen
Ute Wiegand-Fleischhacker
Vorsitzende

Frankfurt/Main, den 09. März 2004

veröffentlicht am 13. März 2004 um 15:51
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