90 Jahre Frauenwahlrecht

Frauen in der Politik nach wie vor unterrepräsentiert

Auch 90 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts gibt es nach Auffassung des Deutschen Frauenrates, in dem auch die dbb bundesfrauenvertretung Mitglied ist, für die Gleichstellung von Frauen und Männern noch viel zu tun. Vor knapp 90 Jahren war Marie Juchacz die erste Frau, die in der Weimarer Nationalversammlung als gewählte Abgeordnete ihre Stimme erhob, nachdem der Rat der Volksbeauftragten am 12. November 1918 das aktive und passive Wahlrecht für Frauen beschlossen hatte.

Die deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Hedwig Dohm forderte bereits 1873 als eine der ersten das Wahlrecht für Frauen. Und sie stieß damit nicht nur bei den Männern auf große Widerstände. Auch den meisten Frauen gingen damals ihre Forderungen zu weit. Sie reklamierten eine bessere Schulbildung für Mädchen und eine bessere Versorgung lediger Mütter. In den bürgerlichen Parteien herrschte noch 1917 die Meinung vor, die Frauen hätten in der Öffentlichkeit nichts zu suchen.
Für die verfassungsgebende Nationalversammlung 1919 kandidierten 300 Frauen, 37 wurden gewählt. In Europa war Deutschland damit – nach Finnland – Vorreiter. Im selben Jahr folgten Österreich, Polen, Russland Lettland, Estland und das Vereinigte Königreich.

Frauen in der Politik nach wie vor unterrepräsentiert

Der 16. Bundestag liegt mit einem Frauenanteil von 31,4 Prozent leicht hinter dem 2002 gewählten mit 32,2 Prozent. Seit 1987 die Frauenquote mit einem Riesensatz erstmals die Zehn-Prozent-Marke übersprungen hatte und bei 15,4 Prozent lag, hat sich der Frauenanteil kontinuierlich erhöht. Doch trotz einer Frau im Bundeskanzleramt sind die Frauen in der Politik nach wie vor unterrepräsentiert. So beklagt die frauenpolitische Sprecherin der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, Adelheid Rupp, dass zwar 50 Prozent der SPD-Abgeordneten Frauen seien, der Frauenanteil im Bayerischen Landtag aber nur bei 31 Prozent liege. Die Europaabgeordnete Lissy Gröner unterstützt auf EU-Ebene die „50/50— Kampagne für Demokratie“. Männer und Frauen sollen gleichberechtigt an politischen Entscheidungen beteiligt werden, fordert sie.

Der Deutsche Frauenrat mahnt weitere gleichstellungspolitische Verbesserungen unvermindert an: Dazu gehören gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ein Gleichstellungsgesetz in der Privatwirtschaft. Auch die kürzlich gestartete und vom Deutschen Frauenrat unterstützte bundesweite Aktion „Frauen Macht Kommune“ knüpft inhaltlich an das 90-jährige Bestehen des Frauenwahlrechts an. Frauen sollen motiviert werden, sich mit Wahlen und Formen der Einflussnahme auf kommunaler Ebene auseinander zu setzen. (GK)

Quelle: Deutscher Frauenrat

veröffentlicht am 08. Dezember 2008 um 17:12
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