Tarifeinigung im Sozial- und Erziehungsdienst

Aufwertung eines typischen Frauenberufs

„Abschluss ist reale Aufwertung eines typischen Frauenberufs“

Nach monatelangem Ringen haben sich die Tarifpartner im Sozial- und Erziehungsdienst unter maßgeblicher Beteiligung der dbb tarifunion auf einen guten Kompromiss geeinigt: Erzieherinnen und Erzieher sollen ab 1. November 2009 deutlich mehr Geld im Monat bekommen. Besonders Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger profitieren vom Verhandlungsergebnis.

„Der Abschluss war den harten Kampf wert. Wir haben eine reale Aufwertung eines typischen Frauenberufs erreicht“, sagte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb Bundesfrauenvertretung.

Nicht nur finanziell sondern auch gesellschaftlich habe sich die Wahrnehmung des Erzieherberufs verändert. „Die zähen Verhandlungen und die daraus resultierenden Streiks haben der Öffentlichkeit gnadenlos vor Augen geführt, wie wichtig und unersetzlich eine gute und motivierte Kinderbetreuung ist“. Dennoch warnte Wildfeuer vor einem „Schönreden“ des Ergebnisses. „Wenn es um die Zukunft unserer Kinder geht, dann sind Erzieherinnen, Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter stets die Sympathieträger der Politiker.

Da ist es bedauerlich anzusehen, wie schwer sie sich tun, diese hochgelobte Leistung auch angemessen zu bezahlen. Vor allem wenn man bedenkt, dass überwiegend Frauen im Erziehungsdienst arbeiten.“

Auch nach dem Tarifabschluss gehörten die Angestellten im Sozial- und Erziehungsdienst noch zu den schlechtbezahltesten Arbeitnehmerinnen im öffentlichen Dienst, erklärte Wildfeuer.

Nach acht Tarifrunden und einem fünftägigen Verhandlungsmarathon haben die Tarifparteien am 27. Juli in einem 17-seitigen Vertragswerk die Einkommensgrenzen für Erzieherinnen in einer berufsspezifischen Entgelttabelle neu festgelegt. Damit steigt die Einkommenshöchstgrenze zum 1. November 2009 von bisher 2500 Euro brutto monatlich auf 2864 Euro. Bei schwierigen Tätigkeiten etwa bei der Betreuung von großen Kindergruppen kann das Gehalt bis zu 3250 Euro betragen. Auch Leitungskräfte profitieren von dem Abschluss. Sie erhalten nun zwischen 2240 Euro und 4135 Euro brutto im Monat. Eine neueingestellte Erzieherin verdiente bisher 2130 Brutto im Monat. Nach dem neuen Tarifvertrag wird ihr Lohn um 110 Euro aufgestockt. Nach vier Jahren erhält sie anstelle von 2240 Euro dann künftig 2400 Euro. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, so Wildfeuer.

Zusätzlich haben die Gewerkschaften eine bessere Gesundheitsversorgung für die rund 225 000 Arbeitnehmerinnen im kommunalen Erziehungsdienst erstritten. Die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst erhalten damit einen individuellen Rechtsanspruch auf betriebliche Gefährdungsbeurteilungen. Zusätzlich erhalten sie die Möglichkeit, auch innerbetrieblich Gesundheitsschutzmaßnahmen einzuleiten.

Quelle: Pressemeldung dbb Bundesfrauenvertretung vom 30. Juli 2009, www.dbbf.de

veröffentlicht am 30. Juli 2009 um 16:36
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