Geschlechtersensible Berufsorientierung zeigt Erfolge – Maßnahmen intensivieren
MINT Berufe werden zunehmend attraktiver
Berufe in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – abgekürzt und zusammengefasst auch als MINT-Berufe bezeichnet – werden für Mädchen und junge Frauen in Hessen zunehmend attraktiver und als Tätigkeit angestrebt. „Es sind Signale einer Veränderung im Berufswahlverhalten festzustellen. Das Bild, das Mädchen von diesen Berufen haben, hat sich positiv verändert, wie die aktuelle Untersuchung über die Auswirkungen des Girls Day zeigt. Zugleich hat sich die Zahl der Studentinnen in den Fächern Biologie, Chemie, Mathematik, Physik und Ingenieurwissenschaften deutlich erhöht“, erklärte Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, heute in Wiesbaden.
Um diese Signale zu einem Trend zu verfestigen, sei eine Intensivierung der geschlechtersensiblen Berufsorientierung nötig. „Denn immer noch entscheiden sich zu wenige Mädchen und junge Frauen für die MINT-Berufe. Projekte und Kampagnen wie der Girls Day müssen deshalb fortgesetzt und ausgebaut werden“, forderte die Frauenpolitikerin. Die Maßnahmen der Schulen, Agenturen für Arbeit und der Politik nähmen seit einigen Jahren verstärkt die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Jungen und Mädchen in den Fokus. Diese Neuausrichtung habe entscheidend zu der positiven Entwicklung beigetragen.
Hemmschwelle wird durch gesenkt
Die Staatssekretärin belegt dies anhand der Ergebnisse einer Untersuchung über die Auswirkungen des Girls Day, der seit zehn Jahren durchgeführt wird. „Das Image technischer Berufe bei Mädchen hat sich im Laufe des Befragungszeitraumes von 2004 bis 2009 deutlich verändert und zwar ganz klar zugunsten der technischen Berufe.“ Die Teilnehmerinnen bewerteten die inhaltlichen Aspekte technischer Berufe zunehmend positiver. Die technischen Berufe werden weit weniger als zuvor als „menschenfern“ betrachtet. Die Zukunftschancen der technisch-naturwissenschaftlichen Berufe sowohl in Bezug auf Arbeitsmarktchancen als auch Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten werden den Mädchen zunehmend bewusst. „Erfreulich ist, dass die Zugangsbarrieren als nicht mehr so hoch eingeschätzt werden“, so Petra Müller-Klepper. Die Befragung der Mädchen habe deutlich gezeigt, dass für die Mädchen die konkrete Ausgestaltung des Arbeitslebens in den verschiedenen Berufen erfahrbar werden müsse. „Dann werden Vorurteile und Ängste abgebaut, die Hemmschwellen für eine entsprechende Berufswahl sind“, betonte die Staatssekretärin.
Vereinbarkeit mit Familienarbeit wichtiges Kriterium bei Berufswahl
Die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf spiele für das weibliche Geschlecht eine große Rolle bei der Berufswahl. „Mädchen sehen nach wie vor in sozial-erzieherischen Berufen weitaus häufiger die Möglichkeit, die Vereinbarkeit herstellen zu können. Nur 16,1 % meinen, dass dies auch bei einem technischen Beruf gelingen kann.“ Hier seien die Unternehmen gefragt, sich weiterhin in Richtung Familienfreundlichkeit zu verändern und beide Geschlechter mit ihren beruflichen Interessen und Belangen stärker in den Blick zu nehmen. Erst eine gendersensible Unternehmenskultur könne die Chancengleichheit von Frauen in Technikberufen tatsächlich verwirklichen, ist Petra Müller-Klepper überzeugt.
Im statistisch erfassten Zeitraum 2002 bis 2010 nahmen in Hessen insgesamt 85.733 Mädchen am Girls Day teil. Es fanden insgesamt 6.224 Veranstaltungen in Hessen statt. „Es ist ein stetiger Zuwachs an Aktionen seit 2002 zu verzeichnen. Allein in diesem Jahr gab es 879 Veranstaltungen mit 9831 Plätzen“, freute sich Petra Müller-Klepper.
Immer mehr Studienanfängerinnen
Bei den Studierenden hat sich in Hessen in den vergangenen zehn Jahren – zwischen dem Wintersemester 1999/2000 und dem Wintersemester 2009/2010 – nach den Worten der Staatssekretärin eine signalgebende Entwicklung abgezeichnet. In den MINT-Fächern stieg generell die Studentenzahl, jedoch überproportional bei den Studentinnen. Ausnahme ist einzig die Informatik, wo die Steigerungsrate der Männer die der Frauen übertraf.
Spitzenreiter beim prozentualen Anstieg der Zahl der Studentinnen ist das Studienfach Chemie. Vor zehn Jahren gab es dort 547 weibliche Studierende, nunmehr sind es 1.486. In die gleiche Richtung entwickelten sich die Studentinnenzahlen in der Mathematik (von 1.571 auf 2.882), in der Physik (von 290 auf 538), in der Biologie (von 2.306 auf 3.271), in der Informatik (von 1.459 auf 2.041) und in der Humanmedizin (von 3.376 auf 4.541). Auch im Bereich der Ingenieurwissenschaften, wie Elektrotechnik, Maschinenbau/ Verfahrenstechnik sind Steigerungen sichtbar. „Ausgehend von einem niedrigen Niveau hat sich die Zahl der weiblichen Studierenden dort mehr als verdoppelt“, stellte Petra Müller-Klepper anhand einer Statistik des Statistischen Landesamtes fest.
Quelle: Pressemeldung vom 1. August 2010, Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und GEsundheit, www.sozialministerium.hessen.de;