Lohnlücke schließen - gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Frauen verdienen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer
Um die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede abzubauen, soll in Hessen der Lohntest „Logib-D“ zum Einsatz kommen. Die Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, Petra Müller-Klepper, appellierte im Januar 2010 an die hessischen Unternehmen, dieses Instrument zu nutzen.
Ute Wiegand-Fleischhacker, Vorsitzende der dbb Frauenvertretung Hessen, begrüßte im Gespräch mit Staatsminister Jürgen Banzer am 11. Februar 2010 in Wiesbaden, dass dieses Instrument zur Anwendung komme, forderte jedoch gleichzeitig Statistiken, aus denen sich die Anwendung und die Umsetzung der hessischen Unternehmen nachvollziehen lasse.
„Der Test ist entwickelt worden, um verdeckte Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern durch den Arbeitgeber gezielt überprüfen und identifizieren zu können. Es besteht Handlungsbedarf. Denn nach wie vor verdienen Frauen im Schnitt rund 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit gehört Deutschland im Vergleich der EU-Länder zu den Schlusslichtern.“ Nur in Estland und der Slowakei sei die Lohnkluft zwischen Frauen und Männern noch größer.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2008 zeigten, dass hier keine positive Veränderung zu verzeichnen sei. Frauen in Deutschland verdienten mit durchschnittlich 14,51 Euro pro Stunde 4,39 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. „Nach wie vor sind die Einkommensunterschiede von Männern und Frauen bei gleicher Qualifizierung gravierend. Trotz gleicher oder sogar besserer Bildung verdienen Frauen im Beruf immer noch weniger Geld und machen seltener Karriere“, so Petra Müller-Klepper. Die Einkommensdifferenz sei durchgängig in allen Branchen und Hierarchieebenen zu beobachten und nehme in höheren Positionen zu, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung herausgefunden habe.
Der Lohntest „Logib“ wird nach den Worten der Staatssekretärin in der Schweiz seit 2006 erfolgreich angewendet. Seit kurzem ist er dank einer Initiative der Bundesregierung auch in Deutschland unter „Logib-D“ im Internet abrufbar. „Damit wird auch den hessischen Unternehmen ein kostenloses Instrument an die Hand gegeben, um Lohnungleichheit zu erkennen und die Lohnstrukturen zu verbessern, indem verantwortungsvoll die geschlechtsspezifische Lücke nach und nach geschlossen wird.“ Ziel müsse es sein, schnellstens die Schere der Lohnunterschiede zu schließen und damit eine der strukturellen Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsmarkt zu beseitigen. Es gelte, eine Lücke in der Umsetzung von Recht und Gesetz zu schließen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hätten laut Artikel 141 des EG-Vertrags einen Anspruch auf gleiches Entgelt für “gleiche und gleichwertige” Arbeit. Dies gelte sowohl für Löhne und Gehälter als auch für alle sonstigen Vergütungen, die der Arbeitgeber aufgrund des Dienstverhältnisses dem Arbeitnehmer bzw. der Arbeitnehmerin unmittelbar oder mittelbar in Bar- oder Sachleistungen zukommen lasse. Der Anspruch auf Gleichbehandlung der Geschlechter sei auch grundrechtlich in Artikel 3 des Grundgesetzes verankert.
Die Software des Lohntests „Logib-D“ist im Internet unter bmfsfj.de unter www.Logib-D.de eingestellt und kann kostenlos herunter geladen werden.
Pressemitteilung Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit www.hmafg.hessen.de